ZUM SINN DER BILDERSERIE: 

 " KREMSER-SCHMIDT RELECTURE "

 

"Zurück zu den Quellen !"- so fasse ich  mein Anliegen, das ich mit der Arbeit an der Bilderserie "Kremser Schmidt Relecture" /= "Kremser Schmidt erneut lesen"/  verfolge, zusammen.  In der Malerei des Barock  schlummert vieles von dem, was sich in der Moderne entwickelt hat.  Besonders die ungegenständliche Malerei ist in ihren schwungvollen Kompositionen und  ihren dynamischen Hell-Dunkel Kontrasten vorweg genommen.

 

 

 

 

Zur Biographie des Kremser Schmidt:

 

Der Vater, Johann Schmidt, stammte aus Hessen, kam als Handwerker zunächst nach St. Pölten und lernte die Tochter des Schloßgärtners ( heutiges Schloß Goldegg) - Katharina Paumgartner- kennen,

sie heirateten  1714 in Grafenwörth / Donau, wo zuerst Johann Andreas 1715 geboren wurde und als zweites Kind Martin Johann 1718.

Die auf Martin Johann folgenden drei Schwestern verstarben früh.

Wie ein kunsthistorisches Märchen kommt mir bei näherer Betrachtung der Lebensweg des Kremser Schmidt vor: 

 In seiner Kleinkindzeit wurde gerade das Augustiner- Chorherren Stift Dürnstein- am Ende der Wachau, einer der schönsten Kulturlandschaften Europas-  in seiner barocken Form fertiggestellt und Vater Johann Schmidt, ein exzellenter Bildhauer, war dort im Kreis der Handwerker und Künstler mit den entsprechenden Arbeiten betraut.

Bauherr des Stiftes war der legendäre Propst Hieronymus Übelbacher,  der das Gesamtkonzept begleitete und betreute.

Am Berg des Stiftes Göttweig war seit 1718 Baustelle, die barocke Anlage war im Entstehen. Zu dieser Zeit wurde in Wien u.a. die Karlskirche gebaut und das Schloss Belvedere . Das Stift Melk, das Stift Herzogenburg und viele, viele mehr erhielten quer durch Europa ihre barocke Gestalt. 

Auf spielerische Weise erlernte Kremser Schmidt die Malerei, gleichsam im Betrieb und in Begleitung seines Vaters.

In der Biografie ( 1845 von Sohn Johann Martin Schmidt verfasst) ist zu lesen :

"Martin zeigte frühzeitig eine große Anlage zur Mahlerey  und in diesem Eifer zeichnete er theils mit rothstein, theils mit Kreide auf alle Thore und Thüren ".  Er machte Eindruck, denn es heißt dann weiter : " In dieser Zeit war ein Mahler Gottlieb Starmayer im Stifte, um die nöthigen Gemählde zu verfertigen, dieser nahm den kleinen Martin Schmidt in die Lehre,..." 

 

Kremser Schmidt wurde 83 Jahre alt. Bis zu seinem Tode blieb er rüstig und konnte sich bis dahin seinem Schaffen widmen. Krems-Stein blieb stets sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. 

 

Details von seinen Anfängen: 

 

1740  mit 22 Jahren: erster Auftrag für Retz:  Fresken für den Rathaussaal

1745         27 Jahre :   Pfarrkirche Stein

1749         31  Jahre:  Imbach, Dominikanerinnenkloster

                                       Langenlois, Franziskanerkloster

                                       Großweikersdorf  ( Kirche: Pläne von Fischer von Erlach, Ausstattung u.a. auch von Martino Altamonte  u Carl Aigen )

 

 

Zeitgenossen (Auswahl) Kremser Schmidts:

Malerei:

Anton Raphael Menggs

Thomas Gainsbourough

Daniel Gran, Franz Anton Maulpertsch, Johann Michael Rottmayr, Paul Troger, Bartolome Altomonte

Literatur:

Friedrich Schiller, Daniel Defoe, Alexander Pope, Friedrich Gottlieb Klopstock, Heinrich von Kleist, Gotthold Ephraim Lessing, Novalis, Henry Fielding,

Carlo Goldoni, Johann Wolfgang von Goethe, Jonathan Swift, 

 Musik:

Wolfgang Amadeus Mozart

Joseph Haydn

 

Philosophie/Theologie:

Immanuel Kant, Denis Diderot, Voltaire, Jean Jacques Rousseau, Johann Gottfried Herder

 

Kirche:

Stift Göttweig:  Abt Gottfried Bessel,  Abt Odilo Piazol, Abt Magnus Klein, Abt Anselm Feldhorn

Stift Dürnstein: Propst Hieronymus Übelbacher 

Erzd. Wien: Erzbischof Kardinal Migazzi, Wien

Päpste:  Benedikt XIV

 

Staat und Politik:

Österreich :  Karl VI., Maria Theresia, Joseph II.

Russland: Katharina II., die Große

Friedrich d. Gr.

USA: Unabhängigkeitskrieg: Thomas Jefferson, George Washington

 

                                    

 

 

 

 

 

  

 

 

ZUR  ENTSTEHUNG DIESER BILDERSERIE:

 Seit 2015 arbeite ich intensiv an Neuformulierungen  zu Bildthemen des österreichischen Barockmalers "Kremser- Schmidt"- eigentlich Martin Johann Schmidt (1718-1801). Hier links, das erste der über 50 Bilder bisher ( März 2019).

 Die  Idee,  nach großen Meistern Variationen zu formulieren, ist mir seit dem Besuch der Vernissage von Gerhard Gutrufs Paraphrase nach Vermeers "Maler und Modell" ( 1976 in der damaligen Galerie Würthle, Wien)

 

 Von 1983 bis 1995 (siehe Rubrik "Wer ich bin") war ich Benediktiner des Stiftes Göttweig , das in ihren Räumlichkeiten, wie auch in einigen der Stiftspfarren viele Werke des Kremser Schmidt beherbergt. Von daher sind mir dessen Werke sehr vertraut. Damals schon kamen erste Impulse zu den Arbeiten von heute.